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[Rezension] Geister von Nathan Hill

"Hätte Samuel gewusst, dass seine Mutter weggehen würde, hätte er vielleicht besser aufgepasst, hätte ihr genauer zugehört, sie eingehender beobachtet, sich ein paar wichtige Dinge aufgeschrieben." (S.11)

Den Debütroman "Geister" von Nathan Hill kann ich nur sehr schwer in wenigen Worten charakterisieren, denn es ist ein Querschnitt durch die amerikanische Gesellschaft beginnend mit den Anti-Kriegs-Demonstrationen 1968 bis zu der Occupy Wallstreet Bewegung 2011. Es ist thematisch komplex und sehr gut ausformuliert.

In "Geister" erzählt Nathan Hill auf sehr persönlicher Ebene das Kindheitstrauma von Samuel Anderson, dessen Mutter ihn scheinbar grundlos verlassen hat. Durch ein Attentat seiner Mutter auf den republikanischen Präsidentschaftskandidat Packer erhält Samuel die Möglichkeit Antworten auf all seine Kindheitsfragen zu bekommen. Gleichzeitig ist "Geister" aber auch eine Geschichte vom Scheitern der Emanzipation und verratenen Idealen 1968er Generation, eine Satire auf den heutigen Medienzirkus und nicht zuletzt eine Kritik des Kapitalismus.

Ich hatte etwas Respekt vor diesem Schmöker, denn Gesellschaftromane lese ich normalerweise nicht. Aber dieses Buch hat sich von Seite zu Seite zu einem absoluten Pageturner entwickelt. Gezielte Cliffhanger und Fragezeichen am Ende eines jeden Kapitels haben dazu geführt, dass ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte. Allerdings gab es bei über 860 Seiten auch die ein oder andere Länge, wie z.B. die Beschreibungen zum Online Spiel World of Elfscape, die ich wegen des wortgewaltigen Schreibstils aber trotzdem sehr gerne gelesen habe.

Am Ende deutete sich ein zartes Happy End für die Hauptperson Samuel Andersen an. Einerseits habe ich das mit Freude gelesen, denn Samuel hatte während der ganzen Geschichte einige heftige Rückschläge verkraften müssen und ich habe ihm das Happy End gegönnt. Gleichzeitig passte es aber irgendwie nicht zur Grundstimmung des ganzen Buches. Ich hätte da wahrscheinlich eine düstere Untergangsszene erwartet, damit das Buch mit einem Knall endet.

Fazit:
Nathan Hills Debütroman hat mich schwer beeindruckt und die "Geister", die das Buch heraufbeschworen hat, werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Ich vergebe 4,5 von 5 Sterne.

Details zum Buch:
Titel: Geister; Autor: Nathan Hill; Genre: Belletristik, Gegenwartsliteratur; Verlag: Piper; ISBN: 978-3-492-05737-0; Seitenzahl: 864; Format: Hardcover; Veröffentlichung: Oktober 2016; Preis: 25,00 €
Inhalt: Ein Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers verändert schlagartig das Leben des Literaturprofessors Samuel Anderson . Er, der als Kind von seiner Mutter verlassen wurde, soll nun für sie bürgen: Nach ihrem tätlichen Angriff auf einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten verlangt man von ihm, die Integrität einer Frau zu bezeugen, die er seit mehr als zwanzig Jahren nicht gesehen hat. Ein Gedanke, der ihm zunächst völlig abwegig erscheint. Doch Samuel will auch endlich begreifen, was damals wirklich geschehen ist. - Ein allumfassender, mitreißender Roman über Liebe, Unabhängigkeit, Verrat und die lebenslange Hoffnung auf Erlösung, ein Familienroman und zugleich eine pointierte Gesellschaftsgeschichte von den Chicagoer Aufständen 1968 bis zu Occupy Wall Street… (Quelle: Piper)

4 Gedanken zu „[Rezension] Geister von Nathan Hill

  1. jacquysthoughts

    Das klingt wirklich interessant. Ich finds super dass du geschrieben hast, dass du Respekt vor dem Roman hattest, so würde es mir nämlich auch gehen 😀 Schön, dass es dir trotzdem gefallen hat.

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  2. Lilly Lesepanda

    Um das Buch bin ich schon öfter rugewandert und war immer kurz davor es zu kaufen. Aber ich wusste nie, ob es mir gefallen wird oder nicht. Deine Rezension kling doch sehr spannend und haben mir das Buch noch schmackhafter gemacht.

    Liebe Grüße
    Lilly

    Antworten

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