Springe zum Inhalt

[Rezension] Der Turm der Welt von Benjamin Monferat

 

"Der Turm der Welt" von Benjamin Monferat aus dem Rowohlt Verlag ist ein historischer Spionageroman, der den Leser nach Paris zur Zeit der Weltausstellung 1889 entführt. Der Roman beschreibt die schillernde Welt der elitären Pariser Gesellschaft, gleichzeitig wird aber auch eine düstere und morbide Stimmung vermittelt, die schon erahnen lässt, was den europäischen Kontinent Anfang des 20. Jahrhunderts bevorsteht. Die brisante internationale Lage zwischen Frankreich, England und dem Deutschen Reich ist allgegenwärtig. Die Spannung die damit einhergeht wird zusätzlich noch gesteigert, indem jedem Kapitel ein Countdown vorangestellt ist und dem Leser schnell klar wird, dass mit Ablauf dieser Frist etwas schlimmes passieren wird, das die Welt in Chaos stürzt.

Zunächst hatte ich ein Problem mit den kurzen Kapiteln und der Vielzahl an Figuren, die dieser komplexe historische Roman benötigt. Die Figuren waren aber mit der Zeit gut voneinander zu unterscheiden, denn sie gehören alle unterschiedlichen gesellschaftlichen Klassen an oder kommen aus unterschiedlichen Ländern. Benjamin Monferat gelingt es hervorragend das schillernde Leben des französischen Adels in Form von Albertine Vicomtesse de Rocquefort zu beschreiben, aber auch die Abgründe im Leben von Madeleine Royal darzustellen, die mit 12 Jahren an einen Zuhälter verkauft wurde und ihren Lebensunterhalt als Kurtisane verdient. Die Geheimdienstagenten der Großmächte Pierre Trebut, Hauptmann Friedrich-Wilhelm von Straten und Basil Fitz-Edwards runden das Figurenspektrum ab und geben interessante Einblicke in die Welt der Spionage, die zu dieser Zeit noch ohne technische Hilfsmittel auskam.

Auf fast 700 Seiten und mit einem niveauvollem Stil beschreibt der Autor die letzten drei Tage der Weltausstellung, die mit einem imposanten Finale beendet werden soll. Trotz der Dicke des Buches schlägt Benjamin Monferat ein rasches Tempo an, nahezu jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, sodass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Der Leser merkt schnell, dass die komplexe Handlung auf ein großes Finale hinausläuft und das sich vorher die Wege der vielen Figuren kreuzen werden. Das hat es für mich besonders spannend gemacht, wenn man bedenkt, dass die Figuren aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und Ländern stammen.

Das Finale an sich fand ich zunächst maßlos überzogen und ich habe mich gefragt, ob es diese technischen Neuerungen wirklich schon gegeben hat. Das Nachwort des Autors hat dann zum Glück einiges klären können und ich habe meinen Eindruck zumindest teilweise revidiert, obwohl ich immer noch das Gefühl habe, dass dieses spaktakuläre Finale zu groß war.

Fazit:
Dieser düstere, teilweise morbide und zugleich schillernde historische Spionageroman ist eine absolute Leseempfehlung. Ich vergebe 4,5 von 5 Sterne.

Details zum Buch:
Titel: Der Turm der Welt; Autor: Benjamin Monerat; Genre: Historischer Thriller; Verlag: Rowohlt; ISBN: 978-3499271489; Seitenzahl: 701; Format: Taschenbuch; Veröffentlichung: August 2017; Preis: 10,99 €
Inhalt: Große Kulisse. große Gefühle, großes Drama: Benjamin Monferats opulenter Historischer Roman erzählt von Machtkämpfen und Intrigen im Europa des 19. Jahrhunderts.
1889. Die Pariser Weltausstellung geht dem Ende zu. Millionen von Menschen strömen in die Lichterstadt. Die brisante internationale Lage scheint vergessen. Und doch würde gerade hier, im bunten Gewimmel der Nationen und Interessen, ein Funke genügen, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen. Ausgerechnet da werden zwei Ermittler des französischen Geheimdienstes tot aufgefunden - sie waren einer Verschwörung auf der Spur.
Niemand ahnt: Die Zukunft Europas ist mit dem Schicksal einiger Besucher eng verknüpft. Eine französische Adelige, ein deutscher Offizier, ein junger Fotograf, eine bildschöne Kurtisane – sie alle sind Figuren im Spiel der Mächte.
Beim Abschlussfeuerwerk versammelt sich alles, was Rang und Namen hat auf dem neu erbauten Eiffelturm. Der beste Zeitpunkt, um die Welt im Chaos versinken zu lassen … (Quelle: Rowohlt)

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: